Ein Weg für den Frieden

Am Abend des 8. Mai 2026, dem Jahrestag, an dem der Zweite Weltkrieg vor 81 Jahren endete, versammelten sich rund 100 Teilnehmende zum traditionellen Hürtgenwalekeder Friedensweg in Kleinhau. Eingeladen hatte Pfarrer Georg Neuenhofer, der die zahlreichen Gäste an der Kapelle in Kleinhau herzlich begrüßte. Besonders willkommen hieß er Aachens Weihbischof Karl Borsch, den Dürener Landrat Dr. Ralf Nolten sowie Stephan Cranen als Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald. Einen besonderen Akzent setzten die Schützen aus Hürtgen und Kleinhau. Die Schützenbruderschaften verstehen ihren Auftrag seit jeher nicht nur in der Pflege von Brauchtum und Gemeinschaft, sondern ausdrücklich auch in der Bewahrung und Förderung des Friedens. Ihre Teilnahme am Friedensweg machte dieses Selbstverständnis eindrucksvoll sichtbar, als Hüter christlicher Werte und als lebendiges Zeichen für Versöhnung und friedliches Miteinander in der Gemeinde einzutreten.
Gemeinsam machten sich Pilger auf den Weg von der Kapelle zum Marienbildstock in der Hoppenhardt. Der Weg führte durch die nächtliche Stille und lud die Teilnehmenden zu Besinnung und Gebet ein. Der Marienbildstock selbst ist ein besonderer Erinnerungsort der Kleinhauer Bevölkerung. Er wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Menschen des Ortes errichtet – als Zeichen der Dankbarkeit für das Überleben, aber auch als Mahnmal des Gedenkens an die Opfer und die unermesslichen Leiden der Kriegsjahre. Bis heute steht er als Ausdruck des festen Willens der Dorfgemeinschaft, die Erinnerung wachzuhalten und aus der Geschichte die Verpflichtung zum Frieden abzuleiten. Unmittelbar unterhalb des Bildstocks befindet sich ein alter Wasserbunker. Während des Zweiten Weltkriegs suchten dort viele Menschen aus Kleinhau Schutz vor den schweren Angriffen. Dieser Ort erinnert bis heute eindringlich an die Schrecken des Krieges und verleiht dem Friedensweg eine besondere Tiefe und Authentizität. Am Bildstock richtete Pfarrer Georg Neuenhofer den Blick auf die vielen Kriege in der Welt. Der Friede, in dem man hierzulande seit über 80 Jahren leben könne, sei trügerisch. Weihbischof Karl Borsch zitierte in seiner kurzen Ansprache Worte von Papst Leo XIV aus dessen erster Rede nach seiner Wahl, in der dieser die Bedeutung des Friedens und die Verantwortung aller Menschen für dessen Erhalt betonte. Seine Worte griffen damit die Botschaft auf, für die auch die Schützenbruderschaften seit Generationen stehen: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine dauerhafte Aufgabe, die Wachsamkeit, Haltung und gemeinschaftliches Engagement verlangt.
Der Hürtgenwalder Friedensweg 2026 setzte erneut ein starkes Zeichen für Frieden, Zusammenhalt und die lebendige Erinnerungskultur in der Gemeinde. Besonders die sichtbare Präsenz der Schützen aus Hürtgenwald, sowie der Weg zum Erinnerungsort in der Hoppenhardt, machten deutlich, dass der Einsatz für den Frieden nicht nur Teil historischer Erinnerung ist, sondern auch heute aktiv gelebt und an kommende Generationen weitergegeben wird.
Text Günther Hieke