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Ein eigenes Dach fürs Schützen- und Heimatfest St. Hubertus-Bruderschaft Viersen-Oberbeberich schafft eigenes Festzelt an

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Datum:
12. Aug. 2026
Von:
Angelika Kopp

Ein Schützenfest ohne Festzelt ist ungefähr so vorstellbar wie eines ohne König – irgendwie geht es, aber richtig rund fühlt es sich nicht an. Viele Jahre lang mussten sich auch die Hubertus-Schützen Viersen-Oberbeberich keine Gedanken machen. Das Festzelt gehörte dazu, so selbstverständlich wie die Musik, der Festzug oder die Messe. Doch irgendwann stellte sich heraus, dass Selbstverständlichkeiten schneller verschwinden können, als man denkt.

 

Wenn das Festzelt plötzlich fehlt

Bis zum Jahr 2019 funktionierte in Oberbeberich alles nach einem bewährten System. Ein Festwirt stellte das Zelt auf und übernahm den Ausschank im Gegenzug einer Pauschale – eine Lösung, die sich immer bestens bewährt hatte. Für die Bruderschaft hieß das Planungssicherheit und für die Gäste ein Schützenfest in gewohntem Rahmen.

Dann kamen die Jahre 2020 bis 2022. Die Corona-Pandemie veränderte auch die Strukturen im Schausteller- und Veranstaltungsgewerbe erheblich. Viele Betriebe mussten aufgeben, andere stellten ihre Geschäftsmodelle um. Schmerzlich für die Hubertus-Schützen war, dass ihr langjähriges Festwirt-Ehepaar Karin und H.-Dieter Möller aus Mönchengladbach (inzwischen verstorben) den Betrieb aufgab.

Nach zahlreichen Gesprächen gelang der St. Hubertus-Bruderschaft schließlich, für das Schützen- und Heimatfest 2022 einen anderen Festwirt zu gewinnen. Allerdings brachte dieser kein eigenes Festzelt mehr mit. Das Zelt wurde über einen externen Zeltverleih organisiert. Eine Lösung, die zunächst funktionierte – bis Anfang 2023 die Nachricht kam, dass genau dieser Zeltverleiher künftig keine Kapazitäten mehr habe, was schließlich die Frage aufwarf: Wie sollen die Schützenfeste in Oberbeberich künftig stattfinden?

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Viele Ideen – ein Ziel

Ganz überraschend kam die Hiobsbotschaft nicht. Präsident Hans-Willi Pergens und Kassierer André Gormanns, die über ihre überörtliche Tätigkeit alle Entwicklungen sehr aufmerksam verfolgten, stellten schon früh fest, dass sich auf dem Festzeltmarkt einiges verändern würde und die grundsätzliche Zusage eines Festzeltes aus verschiedenen Gründen keine absolute Garantie mehr für eine tatsächliche Festzeltgestellung ist. Und spätestens mit Beginn der Corona-Krise bereitete der Vorstand der Bruderschaft die Mitglieder darauf vor, dass man sich soweit es geht unabhängig von aufkommenden Turbulenzen des Marktes machen müsse, um auch künftig jedes Jahr ein Schützenfest feiern zu können.

Die Schützentage 2021 – weit und breit die einzige große Schützenveranstaltung des Jahres 2021, über die damals auch der Schützenbruder ausführlich berichtete – wurden daher auch ein wenig als „Testballon“ genutzt: Unter eingeschränkten Bedingungen wurde ausprobiert, wie es sich anfühlen könnte, selbst stärker in die Rolle eines Festwirtes zu schlüpfen.

Auf dieser Grundlage wuchsen erste Überlegungen, wie sich ein Schützenfest künftig auch anders organisieren ließe.

 

Ein Provisorium, das besser hätte nicht sein können

Das große Glück der Hubertus-Schützen trotz fehlendem Festzelt in den Jahren 2023 und 2024: Mitten in der Ortschaft befindet sich eine Hofanlage, die über eine hochwertige landwirtschaftliche Halle verfügt. Die Eigentümerfamilie Mertens – Peter, Lisa, Theresa und Michael sind allesamt Vereinsmitglieder – stellte die Halle schon für die Schützentage 2021 zur Verfügung und taten es schließlich auch für Schützen- und Heimatfeste 2023 und 2024. So schön wie diese Feste, die von der Stimmung und Atmosphäre den „normalen Festen“ in nichts nachstanden, auch waren: Dauerhaft auf dem Mertenshof zu bleiben, war einerseits der Familie Mertens nicht zuzumuten und die Mitglieder der Bruderschaften wollten zum „Original“ zurück: dem altbekannten Festzelt am Vereinsheim der Bruderschaft.

So wurde in der St. Hubertus-Bruderschaft intensiv diskutiert. Verschiedene Möglichkeiten standen im Raum: die erneute Suche nach einem Festwirt, die jährliche Miete eines Zeltes, eine modulare Zeltstadt aus mehreren kleineren Zelten oder sogar der Bau einer eigenen Festhalle neben dem Vereinsheim. Einige dieser Ideen klangen zunächst vielversprechend. Doch bei genauerem Hinsehen zeigte sich schnell, dass nicht alle Wege praktikabel waren. Die Suche nach einem neuen Festwirt erwies sich nach wie vor als schwierig, die dauerhafte Zeltmiete als wirtschaftlich riskant und die modulare Zeltstadt als organisatorisch eher kompliziert. Besonders intensiv beschäftigte sich die Bruderschaft mit dem Bau einer eigenen Festhalle. Es gab konkrete Planungen, und sogar eine Bauvoranfrage wurde gestellt. „Doch nachdem diese über ein Jahr lang nicht beschieden wurde und mögliche Auflagen sowie Gutachten die Kosten deutlich erhöht hätten, haben wir auch diesen Ansatz verworfen“, so Präsident Pergens. Nach Abwägen von Möglichkeiten und Risiken blieb am Ende nur eine Option übrig: ein eigenes Festzelt.

 

Die Suche nach dem richtigen Zelt

Da Oberbeberich mit der Festzeltproblematik nicht alleine war, wurde zunächst auch sondiert, ob die Anschaffung eines Zeltes gemeinsam anderen Partnern nicht einfacher zu stemmen sei. „Wir hatten gute Gespräche mit einer anderen Bruderschaft. Es fehlte am Schluss allerdings der letzte „i“-Punkt, was die gemeinsame Interessenlage betraf“, so André Gormanns. Und so wurden die gemeinsamen Bemühungen am Ende aufgegeben. „Dies jedoch in wirklich gutem Einvernehmen“. Für die Hubertus-Schützen stellte sich nun die Frage: „Sollen wir es alleine wagen?“ Die Antwort der Mitglieder war ein sehr eindeutiges „Ja!“.

Alsdann schlug die Stunde der Praktiker. Diese machten sich daran, eine Liste mit Anforderungen zu erstellen, die ein zukünftiges Festzelt erfüllen müsste. Danach begann die Suche – und die erwies sich als überraschend schwierig. So war ein neues Zelt finanziell nicht realistisch, also musste ein gebrauchtes her. Nach längerer Recherche wurde schließlich ein Zelt in der Eifel gefunden. Dies nahm eine die eigens eingerichtete Projektgruppe im April 2025 in Augenschein. Erfreulicherweise handelte es sich um ein Zelt in einem bemerkenswert guten Zustand.

 

Eine große Idee braucht ein solides Fundament – die Finanzen

Ein Festzelt zu kaufen ist keine kleine Anschaffung – auch nicht für eine gut organisierte Bruderschaft. Zwar ist die Bruderschaft durch umsichtiges Wirtschaften ihres Vorstandes solide aufgestellt. Schließlich hat sie mit dem Bau des eigenen Vereinsheims im Jahr 2005, dass bereits 2017 komplett schuldenfrei war, reichlich Erfahrung. Doch das Festzelt-Projekt war nochmals eine andere Herausforderung. „Wir haben uns über Jahre finanziell vorbereitet, sowohl auf offener Bühne, wie auch im Hintergrund um Spenden und Zuwendungen geworben und standen natürlich auch gegenüber den Menschen, die mit uns an das Projekt glaubten, in der Verantwortung, alles richtig zu machen.“, so Hans-Willi Pergens. Hinzu kam viel Eigeninitiative bei nahezu allen Veranstaltungen. „Wir haben fast nichts mehr an Leistungen eingekauft“, ergänzt André Gormanns als Finanzverantwortlicher der Bruderschaft. „Der Ausschank bei Veranstaltungen wurde von wenigen Ausnahmen abgesehen, selbst bewerkstelligt. Und selbst die Pommes- und Grillbude wurde mit eigenem Personal bestückt, wie etwa bei den letztjährigen Diözesanjungschützentagen“.  Durch alle diese Bemühungen stand schließlich der finanzielle Unterbau und das Zelt konnte im Frühjahr 2026 erworben werden.

 

Gemeinsam ans Ziel – Abschluss und Neubeginn

Wenn ein Projekt nach mehreren Jahren seinen Abschluss findet, bleibt vor allem eines zu sagen: Danke – an alle, die das Thema über die lange Zeit begleitet haben. Dazu gehören die Mitglieder der Projektgruppe, die finanziellen Unterstützer, und diejenigen, die mit Rat zur Seite gestanden haben. Nicht zuletzt gilt dem Vorstand ein Dank für den Mut, Verantwortung für ein solches Projekt zu übernehmen.

Die Anschaffung des Festzeltes war das letzte Projekt, das Präsident Hans-Willi Pergens in seiner Verantwortung als Vorsitzender der Bruderschaft anging. Gemäß seines Lebensmottos nach Kohelet „Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimme Zeit“ hat er sich nach über drei Jahrzehnten Vorstandsarbeit und davon 15 Jahre als Präsident entschieden, den Staffelstab weiterzugeben. Er brachte die Bedeutung des Projektes einmal treffend auf den Punkt: „Das Festzelt ist für unser Schützenfest mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es ist der Ort, an dem wir zusammenkommen, feiern und unsere Gemeinschaft leben. Deshalb ist es wichtig, hier eine eigene und dauerhafte Lösung zu finden.“ Das Zelt wird beim Schützenfest vom 7. bis 9. August erstmals zu Einsatzkommen – übrigens mit Hans-Will Pergens als Schützenkönig und damit dem krönenden Abschluss eines langen Bruderschaftkapitels mit dem Versprechen, sich auch weiterhin als „echter Bebericher Jong“ für die Hubertus-Schützen Viersen-Oberbeberich einzusetzen.

 

Von André Gormanns