Fahnenschwenken im Bezirksverband Viersen-Mitte – Tradition in Bewegung

Fahnenschwenken im Bezirksverband Viersen-Mitte – Tradition in Bewegung
Eine Fahne fliegt durch die Luft, wird aufgefangen, gedreht und wieder in die Luft geworfen. Für einen kurzen Moment sieht das alles ganz leicht aus, dahinter stecken jedoch viele Stunden Training, eine Menge Konzentration und vor allem ganz viel Herzblut.
Das Fahnenschwenken ist weit mehr als nur Bewegungen mit einer Fahne. Seine Wurzeln liegen tief im Schützenwesen, denn die Drehungen der Fahne um den Körper symbolisieren die Fesselung des St. Sebastianus. Eine jahrhundertealte Symbolik, die bis heute in Bewegung bleibt.
Im Bezirksverband Viersen-Mitte wird diese Tradition von der Fahnenschwenk-Gemeinschaft Krefelder Straße & Unterbeberich lebendig gehalten. Die Geschichte der Gemeinschaft begann im Jahr 2013. Damals machten sich fünf Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren aus der St. Josefs & St. Gereon Schützenbruderschaft Krefelder Straße auf den Weg zu einem Fahnenschwenker-Lehrgang. Was sie dort lernten, begeisterte sie so sehr, dass die Faszination Fahnenschwenken auch zu Hause fortgeführt wurde. Die Begeisterung blieb jedoch nicht auf die eigene Bruderschaft beschränkt. Schnell sprang der Funke auf die Schützenjugend der St. Remigius Schützenbruderschaft Unterbeberich über und so entstand die gemeinsame Fahnenschwenk-Gemeinschaft Krefelder Straße & Unterbeberich. Und obwohl die Fahnenschwenker aus zwei verschiedenen Bruderschaften kommen, spielt diese Unterscheidung innerhalb der Gruppe keine Rolle. „Bei uns merkt man nicht, wer aus welchem Verein kommt“; dieser Satz beschreibt die Gemeinschaft wohl besser als jede offizielle Bezeichnung. Gemeinsam wird trainiert, gelacht, bei Auftritten mitgefiebert und natürlich auch mal über einen missglückten Wurf geflucht.
Denn Fahnenschwenken ist längst nicht nur Tradition, sondern auch eine sportliche Herausforderung. Die verschiedenen Griffe, Figuren und Würfe erfordern Koordination, Konzentration und viel Übung. Was bei einem Auftritt mühelos aussieht, ist das Ergebnis zahlreicher Trainingsstunden. Neben den Auftritten bei Schützenfesten, Vogelschüssen und anderen Veranstaltungen nehmen die Fahnenschwenker deshalb auch an Wettkämpfen teil und stellen ihr Können unter anderem bei den Diözesanmeisterschaften unter Beweis.
Dabei geht es aber um mehr als Pokale und Platzierungen. Die gemeinsame Freude an der Tradition steht im Mittelpunkt. Die Gemeinschaft zeigt, wie verbindend das Schützenwesen sein kann: Zwei Bruderschaften, eine Gruppe und eine gemeinsame Leidenschaft.
Dass dieses Miteinander und insbesondere die Nachwuchsarbeit in den Bruderschaften einen hohen Stellenwert haben, zeigt sich auch abseits des Fahnenschwenkens. Junge Menschen für das Schützenwesen zu begeistern, ihnen Verantwortung zu übertragen und ihnen Raum zu geben, eigene Ideen einzubringen, ist eine Herzensangelegenheit. Ein besonderes Beispiel dafür ist das Vorstandspraktikum der St. Josefs & St. Gereon Schützenbruderschaft. Für dieses Projekt wurde die Bruderschaft mit dem Engagementpreis NRW 2025 ausgezeichnet, der von Ministerpräsident Hendrik Wüst überreicht wurde. Gleichzeitig wurde die Bruderschaft damit auch für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert.
Vielleicht ist genau das die schönste Verbindung zwischen Fahnenschwenken und Nachwuchsarbeit: Beides lebt davon, dass jemand den ersten Schritt macht. 2013 waren es fünf Kinder, die nach einem Lehrgang begeistert nach Hause kamen. Heute stehen acht Fahnenschwenker in der Turnhalle und führen die Tradition weiter.
Eine Fahne wird geworfen, aufgefangen und weitergegeben. Genau wie die Begeisterung für das Ehrenamt.